Hiko lizuka: Flötenbauer und Flötist

    
     Aus Liebe zum guten Instrument

         Der Flötenbauer und Flötist Hiko Iizuka

Quelle: Berliner Philharmoniker. Das Magazin. Ausgabe September/Oktober 2005

 

VON LUKAS PAUL MACHER

So einfach sieht also eine Flötenwerkstatt aus: Von einigen Spezialwerkzeugen abgesehen, fallen vor allem normale Schraubenzieher, Werk- und DrehbĂ€nke und viele Zangen ins Auge. Wenn man an die vielen halb genialistischen, halb spirituellen Mythen denkt, die sich sowohl um die Flöte, als auch um den Instrumentenbau ranken, dann ist das ein nĂŒchterner, ja beinahe enttĂ€uschender Anblick. Doch Hiko Iizuka, GrĂŒnder und Besitzer von Ars et Musica - Flötenvertrieb und -reparaturwerkstatt zugleich -, ist nicht nur Musiker, sondern als Flötenbauer eben auch Handwerker. Schaut man sich eine Querflöte genauer an - Kopf- und MundstĂŒck, die miteinander verĂ€stelten Klappen, die kunstvoll geformten Löcher - so erkennt man sofort, dass so ein Instrument nicht zuletzt auch ein mechanisches GerĂ€t ist. Und angesichts dieser komplexen Mechanik wird man Iizuka verstehen, wenn dieser betont, dass man fĂŒr seinen Beruf nicht nur Fingerfertigkeit, sondern auch »viel Geduld« braucht.

 

 

Foto: Stefan Beck

 

Die wird wichtig, wenn es gilt, aus einer Vielzahl denkbarer Möglichkeiten die wesentliche Ursache eines Klangproblems ausfindig zu machen und zu beheben. Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Flötenwerkstatt besteht laut Iizuka einfach darin, »ob die Ursachen gefunden werden oder nicht«.

     Im Grunde genommen ist Iizukas Arbeit die Kunst, den objektiven, mechanisch-handwerklichen Anteil des Klangs zu untersuchen, dieses eigentlich so schwer fassbaren und sehr von individueller Wahrnehmung geprĂ€gten PhĂ€nomens. Daher, erzĂ€hlt der Flötenbauer in seiner charmant-zurĂŒckhaltenden Art, sei auch Emotion ein wichtiger Teil seines Berufs: In erster Linie geht es ihm darum, seine Kunden glĂŒcklich zu machen und ihnen Freude am Musizieren zu ermöglichen - und das geht nur, wenn er sich in die individuelle Klangvorstellung seiner Auftraggeber hineinversetzt.

     Vielleicht ist er in dem, was er tut, auch so gut, weil er seit seiner Geburt von den verschiedensten musikalischen KlĂ€ngen umgeben war. In der NĂ€he von Tokio geboren, wuchs Hiko Iizuka in einer Familie auf, in der viel musiziert wurde. Seine Eltern und fast alle seiner vier Geschwister spielten mehrere Instrumente und dabei nicht nur das klassische europĂ€ische Repertoire, sondern auch traditionelle japanische Musik und Jazz. Iizuka selbst begann mit vier Jahren Blockflöte zu spielen und nahm kurz darauf Klavierunterricht, bevor er mit 13 Jahren -»relativ spĂ€t« - zur Querflöte wechselte.

     FĂŒr seinen spĂ€teren Werdegang aber sollten das MusikinstrumentengeschĂ€ft des Vaters und dessen Reparaturwerkstatt von noch grĂ¶ĂŸerer Bedeutung werden. Schon als Kind half Hiko Iizuka im GeschĂ€ft, lernte Klavier stimmen und half dem Vater bei der Reparatur der verschiedensten Instrumente. Zuerst hatte lizuka jedoch den Wunsch, Musiker zu werden. Auf die Empfehlung eines Bekannten hin, der als Flötist in einem deutschen Orchester arbeitete, entschied sich Iizuka fĂŒ

 

Foto: Stefan Beck

 

r ein Flötenstudium an der HdK Berlin.

     Sein erster Eindruck der geteilten Stadt? »Es war ein harter Winter!« Iizukas Flug hatte drei Stunden VerspĂ€tung, der Student, der ihn eigentlich abholen sollte, erschien nicht am Flughafen, und so musste er sich mit seinen damals nur drei SĂ€tzen Deutsch bei -20°C und hohem Schnee erst einmal alleine durchschlagen. Die AufnahmeprĂŒfung an der HdK verlief dann zum GlĂŒck reibungslos, sodass Iizuka im Sommersemester 1979 sein Flötenstudium beginnen konnte. Hier lernte er bei Andreas Blau, dem Solo-Flötisten der Berliner Philharmoniker - eine Erfahrung, an die der spĂ€tere Flötenbauer gerne zurĂŒckdenkt: »Blau war streng, aber ich konnte dabei trotzdem locker und frei sein.« Den Unterricht bei Andreas Blau konnte Iizuka ab 1984 als Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker ausweiten.

     Die Neigung zum Instrumentenbau verließ Iizuka jedoch nie. 1983 besuchte er zum ersten Mal den legendĂ€ren Flötenbauer Helmuth Hammig in Ost-Berlin. In den folgenden Jahren ließ sich der Meister immer wieder von dem jungen Studenten bei seiner Arbeit ĂŒber die Schulter gucken. Die Wartestunden bei der Ein- und Ausreise am GrenzĂŒbergang Friedrichstraße musste Iizuka dafĂŒr in Kauf nehmen. »Hammig war ein praktischer, logischer und ehrlicher Mensch und ein phĂ€nomenaler Handwerker«, erzĂ€hlt er rĂŒckblickend - und erwĂ€hnt dann die bescheidende Antwort des legendĂ€ren Flötenbauers auf die Frage nach der Besonderheit seiner handwerklichen Arbeit: »Es gibt hier kein Geheimnis.«

     Auf der westlichen Seite der Mauer hatte sich Iizuka unter Bekannten bereits einen gewissen Ruf als Instrumentenbauer gemacht. Als bei einer Probe der Philharmoniker die Flöte des damaligen zweiten Flötisten GĂŒnter Prill zu Boden fiel und beschĂ€digt wurde, machte ihn sein Kollege Wolfgang DĂŒnschede auf das besondere Talent Iizukas aufmerksam, der an diesem Tag zum ersten Mal als Aushilfe mit auf dem Podium saß: »Bis morgen macht der die Flöte fertig, und dann funktioniert sie besser als vorher.« Das Versprechen konnte er einlösen, und hatte kurz darauf seinen ersten offiziellen GeneralĂŒberholungsauftrag des Berliner Philharmonischen Orchesters in der Tasche.

     Mit dem Traditionsorchester als »Großkunden« und nach Ablauf seines Stipendiums an der Orchester-Akademie entschied sich lizuka fĂŒr die GrĂŒndung einer

Foto: Stefan Beck

 

 

Flötenwerkstatt. Nach der Aufnahme in die Handwerkskammer Berlin 1987 ließ er sich mit der Querflötenwerkstatt Hiko Iizuka in Charlottenburg nieder. Inzwischen ist daraus Ars et Musica geworden, wo Iizuka nicht nur Flöten, sondern auch japanisches Kunstgewerbe (sein »erweitertes Hobby«) vertreibt. Zu seinen Flöten-Kunden gehören sowohl Laien als auch professionelle Flötisten, davon mehrere aus Berliner Konzert- und Opernorchestern. Auch Andreas Blau bringt seine Instrumente regelmĂ€ĂŸig zur GeneralĂŒberholung vorbei. Zu Iizukas mit besonderem Stolz gehĂŒtetem Besitz gehört die grĂ¶ĂŸte Flöte der Welt: eine von der japanischen Firma Kotato & Fukushima gebaute, dreifach gebogene, insgesamt mehr als 5 Meter lange und 15 kg schwere Subkontrabassflöte. »Die wollten mir erst nicht glauben, dass ich die kaufen will!«, lacht Iizuka; er ist damit Besitzer einer von insgesamt nur drei Flöten dieser Art weltweit.

     NatĂŒrlich dient das monströse Blasinstrument nicht nur als Schaufensterdekoration, sondern kommt - von Iizuka selbst gespielt - regelmĂ€ĂŸig als Bassfundament der 14 Berliner Flötisten zum Einsatz. Schließlich ist der Flötenbauer GrĂŒndungsmitglied dieses von Andreas Blau ins Leben gerufenen und stolz auf das zehnjĂ€hrige Bestehen zugehenden Ost-West-Berliner Flötenensembles, fĂŒr dessen Klangvielfalt Iizuka in der Anfangszeit durch die Bereitstellung von Flöten der verschiedensten Stimmlagen verantwortlich war. Neben seinem Beruf als Instrumentenbauer ist und bleibt Hiko Iizuka eben auch leidenschaftlicher Musiker. Und so ist fĂŒr ihn zweifach relevant, was er beinahe beilĂ€ufig erwĂ€hnt: »Ich liebe ein gutes Instrument.« So einfach ist das also.

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